Montag, 10. märz 2008
Sagte ich schon, dass die Ecuadorianer unglaublich gastfreundlich und nett sind - achja, sagte ich schon. Ist aber wirklich bislang mein stärkster Eindruck hier, wie nett und offen man überall aufgenommen wird. Und so kommt es, dass ich immer wieder  eingeladen werde. So auch diesen Samstag. Olivier (ein in Quito lebender Franzose) hat mich auf die Hacienda seiner Schwiegereltern eingeladen.

Also habe ich mich  am Samstag morgens in den Trooper gesetzt, wir haben uns alle (insgesamt neun Personen) bei Olviers Wohnung getroffen. Eine bunte Ansammlung verschiedener Nationen. Das es einen Franzosen und einen Deutschen gab, wusstet ihr ja bereits. Aber es gab noch eine Deutsche, eine und einen Chilenen. Santiago, seine Freundin und noch zwei Ecuadorianerinnen haben unser Grüppchen komplettiert. Und, was soll ich sagen, zu fünft kann man auch gut im Trooper sitzen (zumindest vorne links ist ausreichen Platz). Dann ging es zunächst die Panamericana eine gite halbe Stunde nach Norden. Unterwegs gab es tolle Ausblicke suf den Cayambe, das ist einer der höchsten Vulkane hier. Leider ist mir kein Foto gelungen. Dafür gab es dann schon von der Hacienda aus einen tollen Blick auf den Cotopaxi, das ist der höchste aktive Vulkan der Erde.

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Die Hacienda wird nicht mehr aktiv bewirtschaftet, sie dient eher der Erholung am Wochenende. Trotzdem wächst hier allerhand für den  Verbrauch der  Famile: Alfalfa, Erbeeren und Avocados.

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Die haben insgesamt fünf Hunde, ein paar Kaninchen und ziemlich viele von dieser Gattung:

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Aber nicht weil sie die Tierchen so gerne streicheln, vielmehr geht hier die Tierliebe durch den Magen. So wirg ihnen mit einem Handgriff das Genick gebrochen, um sie dann zu häuten, auszunehmen und einen Tag lang in Öl und Kräutern zu marinieren. Da von uns neun Leuten nur Oliver, seine Frau, Santiago und ich diese Spezialität probieren wollten, hat es diemal nur zwei erwischt. Vor dem Grillen sehen die nicht wirklich appetitlich aus.

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Marta, die Hausangestellte, hat die Burschen dann zum Grillen vorbereitet.

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Das musste ich mir mal genauer ansehen - interessant, aber ob das schmeckt?

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Auf dem Grill haben sie dann etwas Farbe bekommen.

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... und mehr Farbe ...

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... und noch mehr Farbe ...

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... und dann waren sie fertig.

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handlich zerteilt kamen sie dann auf den Tisch.

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Zunächst habe ich es mit Messer und Gabel versucht...

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... dann mit den Fingern. Das ging besser.

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Obwohl der Geschmack gut ist, mit viel Phantasie könnte man einen Vergleich zu Geflügel ziehen, wird es wohl nicht meine neue Lieblingsspeise. Es ist kaum was dran, an den kleinen Kerlen. Die Haut war knusprig und ganz lecker, aber richtiges Fleisch gibt es nur wenig. Und so ganz konnte ich die kleinen Fellkameraden draussen im Stall auch nicht aus meinem Kopf bekommen. Also war ich froh, dass noch einiges an Würsten und Steaks auf dem Grill gelandet war und das ging dann doch etwas einfacher in den Mund.


von Wolfram
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Kommentare

Mannoemeter, die Tierchen hätte ich auch nicht vergessen können, "when in Rome - do as the Romans do", leider kann ich das nicht auf Spanisch sagen. Der Anblick und deine sehr lebhafte Schilderung des Tötens der Tiere hat schon Eindrcuk einterlassen. Aber probiert hätte ich sie auch. Gruß Rüdiger
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: Rüdiger am: 10.03.2008 22:24:52
"Cuando en Roma - haga como los Romanos hacen" - glaub ich. Bin noch nicht besonders gut. Wenn es jemand besser weiss, bitte posten!
Antwort von: Wolfram (Website) am: 11.03.2008 23:06:14
Auf dem Spieß haben sie aber schon eine gewisse Ahnlichkeit zu Ratten...

Aber probiert hätte ich sie - glaube ich jedenfalls aus der Distanz - auch.
Kommentarnr.: 2 Gepostet von: kl. Bruder am: 10.03.2008 22:52:53
Wir haben ja alle Deiner ersten Begegnung mit einem gegrillten Meerschweinchen auf Deinem Teller entgegengefiebert. Dein ausführlicher und detailliert bebilderter Bericht wird diesem wichtigen Ereignis in hervorragender Weise gerecht!!!
Wobei der Anblick des frisch geschlachteten und aufgespießten Cuy für den durchschnittlichen Mitteleuropäer, der sein Fleisch nur hübsch abgepackt aus der Kühltheke kennt, schon recht archaisch ist. ;-)
Kommentarnr.: 3 Gepostet von: Christiane am: 11.03.2008 14:48:38
Mutig, mutig und so anschaulich präsentiert. Ich erinner mich an eine Erzählung aus dem Irak und irgendwelchen Augen, die den Gästen serviert wurden.
Grundsätzlich bin ich da mal wieder froh in solchen Situationen auf meine Vegitarierexistenz verweisen zu können.
Wenn die Biester einem auf dem Spieß noch so angucken, dann fördert das nicht gerade die Lust zu probieren. Erinnert mich irgendwie an Spanferkel.
Lara meinte sie sehen gehäutet ein bißchen aus wie Dinos, aber essen will sie doch lieber keins.
Kommentarnr.: 4 Gepostet von: kleine Schwester am: 11.03.2008 15:22:46
Boa! Watt'ne fiese Schmiege, der Kerl mit dem Spieß.... :-)
Mindnote: Link an Anja aus Berlin schicken und über Verwertung ihres Schweinchens nachdenken....
Kommentarnr.: 5 Gepostet von: /totti/ am: 11.03.2008 17:22:21
Das hätte bestimmt nicht jeder Europäer so genau dokumentiert, es fehlt nur das Foto von dem "gekonnten Handgriff". Ich warte noch auf den Kommentar, wenn die andern kleinen Schwestern die Bilder sehen, da wird man Ohrenschützer brauchen wegen den IIIs und Huus und das Meerschwein zuhause wird dann 3fach verhätschelt. Jetzt kannst du ja endlich auch Hühnerfüße probieren.
Kommentarnr.: 6 Gepostet von: Oma am: 12.03.2008 20:39:11
"Cuando a Roma fueres, haz lo que vieres." Und genau das tust du - ich würde und werde definitiv auch Meerschweinchen in Ecuador probieren :-)
Kommentarnr.: 7 Gepostet von: Susanne am: 13.03.2008 12:30:45
Wolfram how could you?
Kommentarnr.: 8 Gepostet von: david am: 13.03.2008 17:57:34
Ich wär da ja deutlich weniger experimentierfreudig. Warum essen sie dort denn so viel Meerschweinchen, wenn da so wenig dran ist?
Kommentarnr.: 9 Gepostet von: Grosse Schwester am: 14.03.2008 21:36:10

Tja, warum essen die davon so viel? Einfache Antwort wäre, wenn wenig dran ist, muss man ja viele esen, bis man satt wird.

Tatsächlich ist es aber heute eher aus Tradition. Früher gab es im Hochland sehr wenig Fleisch. Die Leute mussten zusehen, wie sie ihren Eiweissbedarf mit Hülsenfrüchten decken konnten. Und da kamen die kleinen Pelztiere gerade recht. Die leben im Hochland wild, sind einfach zu fangen, lassen sich mit wenig Aufwand halten und haben eine enorme Repoduktionsrate.

Aber die Tradition lebt. Unter meinen Kollegen scheiden sich die Geister. Ungefähr zwei Drittel der Kollegen, essen kein Cuy. Manche haben es sogar noch nie probiert. Das liegt aber weniger am Mitleid als daran, dass die der Meinung sind Meerschwein - Ratte, wo ist eigentlich der Unterschied? Das andere Drittel ist ganz verrückt nach Cuy. Die verdrehen vor Appetit gleich die Augen, wenn man es nur erwähnt.

Ich glaube nicht, dass ich während meiens Aufenthaltes sehr stark zur Reduktion des Bestandes beitragen werde...

Antwort von: Wolfram (Website) am: 17.03.2008 22:59:33
Na endlich, ich dachte schon, dass wird nix mehr. Aber so richtig lecker sind sie nicht, sach ich auch. Schreib weiter so - macht riesig Spaß zu lesen. Grüße, Axel und Petra
Kommentarnr.: 10 Gepostet von: Petra am: 16.03.2008 17:29:39

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