nein, hier folgt keine romantische Geschichte mit einer heissen Latina. Vielmehr habe ich nun schon eine Weile mit dem Gedanken gespielt , mir hier ein Auto zu kaufen. Es sollte möglichst
einfach sein, nicht zu alt, geländegängig, bezahlbar, robust und einfach wieder zu verkaufen, überschaubarer Verbrauch ... Also , so hatte ich mir gedacht, ein Chevrolet Vitara
muss her, 2005er oder 2006er Baujahr. Also habe ich fleissig Anzeigen im Internet gelesen und den ein oder anderen Vitara angesehen. War aber keiner dabei, der mich überzeugen
konnte. Also bin ich am Samstag mit Marco zu so einem grossen Verkaufsplatz gefahren, wo jeder sein Auto verkaufen kann, ähnlich wie das Autokino in Aschheim oder wie in Essen. Da gab es auch
verschieden Vitaras, die waren aber alle enweder alt oder teuer oder mit irgendwelchem Firlefanz verunstaltet. Ich war schon ganz mutlos doch plötzlich sah ich IHN:
Ein Chevrolet, ja, aber kein schnöder Vitara, nein, ein echtes Männerauto, ein Trooper 3,2 V6 . Bis auf die Geländegängikeit vollständig an den zuvor festgelegten Kriterien vorbei: gut
ausgestattet, steinalt (1994), durstig bis dorthinaus. Aber er hat mich einfach angelächelt. Also haben Marco, der Verkäufer und ich eine Probefahrt gemacht. Der Karren ist einfach ein
Klotz. Man sitzt hoch, hat alles im Blick. Dann habe ich den Schlüssel ins Zündschloss gesteckt und gedreht - was dann kam hat mich echt umgehauen. War ich doch bislang die kultivierten 6
Zylinder meines BMW gewohnt, kaum hat man gemerkt, dass da überhaupt ein Motor war. Und was war das hier für ein Grollen!!! Erstmal geht die Drehzahl hoch auf 1500, ich glaub da ist schon der erste
Liter verbraucht, dann geht die Drehzahl runter und er brabbelt mit 600 Touren im Leerlauf vor sich hin. Noch keinen Meter gefahren aber eigentlich war da schon alles klar. Trotzdem haben wir dann
noch die Probefahrt gemacht: auf zum Äquator. Er fuhr einfach majestätisch, dann ging's ab ins Gelände, denn ich wollte ja auch diese Eigenschaften kennen lernen. Auf einem steilen steinigen Pfad
fuhr er sowas von souveräm, das war echt eine Freude, dann Fahrertausch, Marco war dran mit Probefahren. Sein Urteil sah so aus:
Also habe ich die Sache klar gemacht und bin nun stolzer Besitzer eines viel zu alten, viel zu durstigen Autos. Tja und was macht man damit? Fahren! Haben Marco und ich dann heute (am Sonntag) auch
gemacht. Und wohin gehört so ein Gefährt? Nicht auf irgend eine einfache Strasse, nein auf die Panamericana, wozu geht diese Legende einer Strasse denn durch Quito? Und da Marcos Tochter morgen
drei wird und er noch ein paar Klamotten als Geschenk kaufen wollte, stand unser Ziel fest, die PanAm nach Norden bis nach Atuntaqui.
Dort, so meint Marco, gäbe es die preisgünstigste Kleidung überhaupt. Bevor es aber richtig losgehen konnte, erstmal tanken. Da er nicht ganz leer war, war im Tank Platz für 16 Gallonen feinsten
Supers, das sind etwa 60 Liter. Unfassbar, wie billig das hier ist. Der Spass hat 30$, also 20 Euro gekostet. Wann hab ich das letze Mal so günstig getankt? Auf dem Weg nach Atuntaqui ging es
vorbei an Otavalo. Das steht in allen Reisführern als hochgepriesenes Reiseziel, fest in Indianerhand. Und die sieht man in der Gegend in stattlicher Anzahl.
Wir haben aber Otavalo aber einfach am Rand liegen lassen und haben kurze Zeit später unser Ziel Atuntaqui erreicht. Naja, der Ort war eher langweilig. Also, ab in drei Klamottengeschäfte, jede
Menge rosa, hellgelbe und ein paar blaue Hosen, Blusen und T-Shirts gekauft, insgesamt drei Taschen voll: 20,- $. Wow, was für Schnäppchen und hat auch nur etwa 10 min gedauert. Da der Ort nicht
schön war, sind wir (abseits der PanAm) Richtung Westen gefahren, in einen Ort namens Cotocachi. Auf den ersten Blick auch keine Schönheit.
Aber, wenn man ein bischen sucht, findet man auch wunderbar restaurierte Ecken mit tollen alten Gebäuden aus der Kolonialzeit.
Bekannt ist Cotocachi für seine Lederwaren. Habe mich gleich mal mit einer neuen Jacke und einem Gürtel eingedeckt. Toppqualität und auch für kleine Geldbeutel erschwinglich. Dann war wieder ein
Grollen zu hören. Das kam diesmal aber nicht vom V6 des Troopers sondern aus Marcos und meinem Bauch. Hunger machte sich breit. Zum Glück kannte Marco das Meson de las Flores. Von aussen echt
hübsch.
Und innen nicht minder.
Sowohl der Innerhof als auch der Gang - wunderschöner Kolonialstil.
Das Essen klassisch ecuadorianisch.
Bei mir (Teller im Vordergrund) gab es Motte (das ist dieser aufgequollen Mais, von dem ich schon berichtet habe) mit gepökeltem und dann gebratenem roten Schweinefleisch als Vorspeise, Marco hat
eine Suppe aus grünen Bananen gegessen (Schale im Hintergrund). Die Suppe aus Hopfen und Malz, die man in den Gläsern sieht, kennt ihr alle ohne weitere Erläuterung. Achja - was bei kaum einem
guten ecuadorianischem Mal fehlen darf, gab es natürlich auch: eine Schale Popcorn und ein Schälchen Aji. Aji ist eine sehr, sehr scharfe Sosse, die eigentlich zu fast allem gereicht wird, ich bin
schon etwas süchtig danach.
Beim Hauptgang haben wir uns beide gleich entschieden. Ein dickes Steak mit ein paar Pommes. Brokoli gab's auch noch dazu. Marco war ganz überrascht, als ich ihm erzählt habe,
dass Brokoli bei uns auch ein ganz gewöhnliches Gemüse ist.
Nach dem Essen sind wir dann weiter zu einem See namens Cuicocha gefahren. Der Name Cuicocha ist indianisch und bedeutet Meerschweinchensee. Angeblich wimmelt es
in den Bergen rund um den See nur so vor freilebenden Meerschweinchen, wir haben keins gesehen, geschweige, dass wir eins gegessen hätten. Der See selbst ist im Krater eines noch
aktiven Vulkans. Mit Spacko im Vordergrund ...
... und ohne ...
... ein wirklich schöner See. Und die Luft war dort so frisch und angenehm, dass es eine wahre Freude war. Leider war der Nachmittag schon weit vorangeschritten und so haben wir uns keinen Kaffee
mehr gegönnt, sondern sind wieder heim in Richtung Quito gefahren. Und das ging natürlich wieder über die Panamericana. Diesmal in südlicher Richtung.
Diese Weite, diese Freiheit, dieser grollende Motor... Ich glaube der Autokauf war eine gute Entscheidung.
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