Heute war es soweit, Santiago – der Jurist, der mir mit meiner Tasche helfen soll, die der Zoll nicht rausrücken will – meinte, es sei an der Zeit zum Zoll zu fahren und die Tasche zu holen. Sein
Freund, Pollito (der heißt eigentlich Nelson) betreibt eine Agentur zur Unterstützung in Zollangelegenheiten wisse genau, was zu tun sei.
Also morgens um neun ins Taxi, 20 min später sitzen wir in Pollitos Büro, das in direkter Nachbarschaft zum Zoll liegt. Pollito ist ziemlich dick, was seinen Spitznamen (Pollito = Küken) nicht
gerade erklärt, aber er ist bester Laune. Er checkt noch mal alle Papiere, befindet sie für gut und ab geht’s zum Zoll in die Zone 1. Dort angekommen müssen wir trotz Pollitios bester Verbindungen
erstmal warten. Nachdem wir eine Weile gewartet haben, checkt einer der Zollbeamten aus Zone 1 die Papiere, meint dann aber, wir seinen falsch und müssen in die Zone 4. Also auf zur Zone 4, die
befindet sich zum Glück im gleichen Gebäude. Naja, im Gebäude ist übertrieben. Die Zollbeamten sind im Gebäude, für die Kundschaft gibt es da keinen Zutritt, nichtmal für Pollito, dafür gibt es
Fenster mit Löchern, durch die man sprechen kann. In Zone 4 checkt man nun erneut die Papiere und meint, es fehle noch eine Bescheinigung der Airline, dass sie mein Gepäck nicht mitnehmen konnten,
weil das Flugzeug voll war und es deshalb an eine andere Airline weitergeben mussten. Meinen Einwand, dass das aber mit der Realität nichts zu tun, erstickt Santiago im Keim, bloß nix sagen, sonst
wird’s wirklich schwierig meint er.
Alles kein Problem meint Pollito und feixt, er kenne da jemanden bei der KLM, der uns ohne Probleme so ein Dokument ausstellt. Santiago und ich bekommen den Namen genannt, Pollito verschwindet in
sein Büro und wir machen uns auf den Weg zur KLM. Dort angekommen sagt man uns, für Cargo Angelegenheiten seinen sie nicht zuständig. Das mache alles ihr Partner und dort sei auch der Typ zu
finden, den uns Pollito ans Herz gelegt hat. Also noch mal 500m Wanderung und wir sind am richtigen Gebäude. Dort sitzt eine unfreundliche Schrapnelle am Empfang und meint, besagter Typ sei nicht
zu sprechen, wir können aber warten. Da wir von dem anhaltenden Regen vollständig durchnässt sind, machen wir es uns im Wartebereich bequem und hoffen etwas zu trocknen. Als die Schrapnelle mal
kurz weg ist, macht Santiago den entscheidenden Schritt, er fragt noch mal das gleiche bei der Kollegin. Die sagt, kein Problem, der Typ sei zwar nicht da, aber unser Anliegen könne auch eine
andere Kollegin bearbeiten. Man öffnet uns die Durchgangstür und wir werden erstmal mit Besucherausweisen ausstaffiert und von einer jungen Dame überall befingert, die meinen eine Leibesvisitation
sei schon erforderlich – hat auch gar nicht weh getan. Dann ins Obergeschoss zu Diana. Eine charmante und
sehr attraktive junge Frau. Sie schaut sich alle Papiere an,
bleibt dann bei meiner Liste mit dem Inhalt der Tasche stecken. Ich sei wohl sehr gesund, wenn ich soviel Sport mache. Kann sein, meine ich, aber wenn ich noch viel durch den Regen latschen muss,
bestimmt nicht mehr lang. Santiago und Diana flirten. Erst werde ich ein kleines bisschen eifersüchtig, dann denke ich mir, egal, wenn’s der Sache nützt. Nützt es auch, wenige Minuten später haben
wir das erwünschte Dokument.
Damit dann wieder in das Büro von Pollito, mit ihm gemeinsam in die Zone 4. Alle Papiere noch mal gecheckt, ich fange an mich auf meine Tasche zu freuen. Aber dann meint die alte Zimtzicke aus Zone
4, sie bräuchte noch unbedingt mein Ticket, mit dem ich eingereist bin, hab’ ich aber nicht mehr. Ich hab einen Stempel vom Zoll im Pass, der sagt, wann und wo ich eingereist bin, ich habe eine
Bescheinigung der KLM, mit welchem Flug ich gekommen bin, ich habe zusätzlich die von Diana ausgestellte Bescheinigung, aber das ist alles nicht genug, das Ticket soll her. Santiago sieht, wie mein
Blutdruck steigt, gibt einen kräftigen Knuff in die Rippen, ich bleibe also ruhig. Pollito sagt, alles kein Problem, er kennt da wen, den Chef von Zone 4, der heißt auch Santiago. Wir also zu ihm
hin. Er guckt sich alles an und meint schließlich, er tut uns einen riesigen Gefallen. Tut er auch und weist die Zimtzicke an, das auch ohne Ticket zu akzeptieren. Die findet das nicht so toll, wir
sollen um 15:00 wiederkommen, dann habe sie alles fertig, sagt sie. Wir dampfen ab mit dem Gefühl des Triumpfes, es ist inzwischen 12:00, also nur drei Stunden bis hierher, gute Laune macht sich
breit. Abschied von Pollito und mit dem Taxi in die Firma.
Kurz vor drei hole ich Santiago ab, Taxi, Flughafen, Pollitos Büro, Zone 4, alles schon Routine. Mist - die Zimtzicke ist nicht da aber ihre Kollegen meinen, die kommt gleich. Also warten wir. Im
Regen. Meine Füße waren noch nicht vom Vormittag wieder getrocknet und nun fing ich an, immer mehr an Dianas Worte ob der Gesundheit zu zweifeln. Nach 45 Minuten kommt sie, die Zicke, sagt sie
müsse uns nun noch ein Dokument ausfertigen, damit wir die Tasche bekommen. Also fängt sie an zu tippen. Der Brief ist vorgefertigt, muss nur an zwei Stellen mein Name eingetragen werden. Das
schafft sie in noch mal 45 Minuten, ich bin total durchgefroren und nass. Dann ist der Brief fertig. Naja, fast, fehlt noch die Unterschrift von irgend so einem Obermacker. Leider ist der in einem
Meeting, aber in 20 Minuten wieder da. Wir nutzen die Zeit um im Zolllager nach meiner Tasche zu sehen. Überall Freunde von Pollito, also alles kein Problem. Ich sehe meine Tasche, sie sieht
unversehrt aus. Wir bekommen noch die freundliche Auskunft, dass ich 10 Mücken für die Aufbewahrung zahlen muss, aber anfassen darf ich sie im Moment noch nicht.
Nach 20 Minuten wieder in die Zone 4. Dummerweise war das Meeting etwas kürzer, der Obermacker also entwischt. Pech, meint die Zicke, aber morgen um 10:00 wäre sicher die Unterschrift drauf, wir
sollen dann wiederkommen. Pollito feiert als hätte er die Fußball WM gewonnen, Santiago sieht seinen nächsten Arbeitstag flöten gehen und ich bin willenlos vor Ohnmacht.
Also geht die Geschichte morgen in die nächste Runde. Ob das die letzte bleibt, wage ich nicht anzunehmen.
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