
Ein Chevrolet, ja, aber kein schnöder Vitara, nein, ein echtes Männerauto, ein Trooper 3,2 V6 . Bis auf die Geländegängikeit vollständig an den zuvor festgelegten Kriterien vorbei: gut ausgestattet, steinalt (1994), durstig bis dorthinaus. Aber er hat mich einfach angelächelt. Also haben Marco, der Verkäufer und ich eine Probefahrt gemacht. Der Karren ist einfach ein Klotz. Man sitzt hoch, hat alles im Blick. Dann habe ich den Schlüssel ins Zündschloss gesteckt und gedreht - was dann kam hat mich echt umgehauen. War ich doch bislang die kultivierten 6 Zylinder meines BMW gewohnt, kaum hat man gemerkt, dass da überhaupt ein Motor war. Und was war das hier für ein Grollen!!! Erstmal geht die Drehzahl hoch auf 1500, ich glaub da ist schon der erste Liter verbraucht, dann geht die Drehzahl runter und er brabbelt mit 600 Touren im Leerlauf vor sich hin. Noch keinen Meter gefahren aber eigentlich war da schon alles klar. Trotzdem haben wir dann noch die Probefahrt gemacht: auf zum Äquator. Er fuhr einfach majestätisch, dann ging's ab ins Gelände, denn ich wollte ja auch diese Eigenschaften kennen lernen. Auf einem steilen steinigen Pfad fuhr er sowas von souveräm, das war echt eine Freude, dann Fahrertausch, Marco war dran mit Probefahren. Sein Urteil sah so aus:
Also habe ich die Sache klar gemacht und bin nun stolzer Besitzer eines viel zu alten, viel zu durstigen Autos. Tja und was macht man damit? Fahren! Haben Marco und ich dann heute (am Sonntag) auch gemacht. Und wohin gehört so ein Gefährt? Nicht auf irgend eine einfache Strasse, nein auf die Panamericana, wozu geht diese Legende einer Strasse denn durch Quito? Und da Marcos Tochter morgen drei wird und er noch ein paar Klamotten als Geschenk kaufen wollte, stand unser Ziel fest, die PanAm nach Norden bis nach Atuntaqui.
Dort, so meint Marco, gäbe es die preisgünstigste Kleidung überhaupt. Bevor es aber richtig losgehen konnte, erstmal tanken. Da er nicht ganz leer war, war im Tank Platz für 16 Gallonen feinsten Supers, das sind etwa 60 Liter. Unfassbar, wie billig das hier ist. Der Spass hat 30$, also 20 Euro gekostet. Wann hab ich das letze Mal so günstig getankt? Auf dem Weg nach Atuntaqui ging es vorbei an Otavalo. Das steht in allen Reisführern als hochgepriesenes Reiseziel, fest in Indianerhand. Und die sieht man in der Gegend in stattlicher Anzahl.

Wir haben aber Otavalo aber einfach am Rand liegen lassen und haben kurze Zeit später unser Ziel Atuntaqui erreicht. Naja, der Ort war eher langweilig. Also, ab in drei Klamottengeschäfte, jede Menge rosa, hellgelbe und ein paar blaue Hosen, Blusen und T-Shirts gekauft, insgesamt drei Taschen voll: 20,- $. Wow, was für Schnäppchen und hat auch nur etwa 10 min gedauert. Da der Ort nicht schön war, sind wir (abseits der PanAm) Richtung Westen gefahren, in einen Ort namens Cotocachi. Auf den ersten Blick auch keine Schönheit.
Aber, wenn man ein bischen sucht, findet man auch wunderbar restaurierte Ecken mit tollen alten Gebäuden aus der Kolonialzeit.
Bekannt ist Cotocachi für seine Lederwaren. Habe mich gleich mal mit einer neuen Jacke und einem Gürtel eingedeckt. Toppqualität und auch für kleine Geldbeutel erschwinglich. Dann war wieder ein Grollen zu hören. Das kam diesmal aber nicht vom V6 des Troopers sondern aus Marcos und meinem Bauch. Hunger machte sich breit. Zum Glück kannte Marco das Meson de las Flores. Von aussen echt hübsch.
Und innen nicht minder.
Sowohl der Innerhof als auch der Gang - wunderschöner Kolonialstil.
Das Essen klassisch ecuadorianisch.
Bei mir (Teller im Vordergrund) gab es Motte (das ist dieser aufgequollen Mais, von dem ich schon berichtet habe) mit gepökeltem und dann gebratenem roten Schweinefleisch als Vorspeise, Marco hat eine Suppe aus grünen Bananen gegessen (Schale im Hintergrund). Die Suppe aus Hopfen und Malz, die man in den Gläsern sieht, kennt ihr alle ohne weitere Erläuterung. Achja - was bei kaum einem guten ecuadorianischem Mal fehlen darf, gab es natürlich auch: eine Schale Popcorn und ein Schälchen Aji. Aji ist eine sehr, sehr scharfe Sosse, die eigentlich zu fast allem gereicht wird, ich bin schon etwas süchtig danach.
Beim Hauptgang haben wir uns beide gleich entschieden. Ein dickes Steak mit ein paar Pommes. Brokoli gab's auch noch dazu. Marco war ganz überrascht, als ich ihm erzählt habe, dass Brokoli bei uns auch ein ganz gewöhnliches Gemüse ist.
Nach dem Essen sind wir dann weiter zu einem See namens Cuicocha gefahren. Der Name Cuicocha ist indianisch und bedeutet Meerschweinchensee. Angeblich wimmelt es in den Bergen rund um den See nur so vor freilebenden Meerschweinchen, wir haben keins gesehen, geschweige, dass wir eins gegessen hätten. Der See selbst ist im Krater eines noch aktiven Vulkans. Mit Spacko im Vordergrund ...
... und ohne ...
... ein wirklich schöner See. Und die Luft war dort so frisch und angenehm, dass es eine wahre Freude war. Leider war der Nachmittag schon weit vorangeschritten und so haben wir uns keinen Kaffee mehr gegönnt, sondern sind wieder heim in Richtung Quito gefahren. Und das ging natürlich wieder über die Panamericana. Diesmal in südlicher Richtung.
Diese Weite, diese Freiheit, dieser grollende Motor... Ich glaube der Autokauf war eine gute Entscheidung.

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